Auf dem Weg zur Selbstständigkeit stehen Ihnen verschiedene Wege offen. Jeder davon beinhaltet unterschiedliche Chancen und Risiken. Die Art der Unternehmensgründung muss in jedem Fall zu ihrer Persönlichkeit und ihren unternehmerischen Fähigkeiten passen. Prüfen Sie daher rechtzeitig ob der von ihnen bevorzugten Weg auch tatsächlich richtig ist. Welchen Weg sie wählen, hängt unter anderem von drei Faktoren ab: Wie viel Gestaltungsspielraum wollen sie haben? Kann das Risiko reduziert werden? Gibt es eine günstige Gelegenheit zum Kauf oder zur Pacht eines Unternehmens?
Neugründung
Bei der Betriebsneugründung starten sie von null an. Sie müssen sich ihren Markt erst noch erobern und dann ihre Position im Markt festigen. Sie müssen Beziehungen zu Kunden und Lieferanten aufbauen, eine Stamm von Mitarbeitern suchen, sich einen Ruf erwerben. Kurzum: Sie müssen eine Anlaufphase durchstehen. Eine Betriebsneugründung birgt aber nicht nur Risiken, sie bringt auch die Chance, den Betrieb nach den eigenen Vorstellungen völlig neu aufzubauen.
Teamgründung
Viele Vorteile sprechen dafür, den Betrieb nicht alleine, sondern gemeinsam mit einem oder mehreren Partnern zu gründen. Die Zusammenarbeit mit Partnern bietet eine ganze Reihe von Vorteilen:
- Fehlendes Know-how wird ergänzt
- Verantwortung und Risiko werden geteilt
- Eigenkapitalbasis wird erweitert
- Mehr Sicherheiten zur Aufnahme von Krediten stehen zur Verfügung
- Arbeitszeit kann besser eingeteilt und auch reduziert werden
Voraussetzung für eine erfolgreiche Teamgründung ist, dass die "Chemie" zwischen den Gründern stimmt. Überprüfen Sie vor allem, wie sie mit Konflikten umgehen. Werden alle kritischen Punkte angesprochen? Bleiben sie sachlich? Können sie nach einem Streit wieder miteinander reden? Benötigen sie eventuell einen externen Coach, der ihre Konflikte moderiert? Gesellschaftsverträge sollten nicht nur klare Verantwortungs- und Aufgabenbereiche festlegen, sondern auch Vereinbarungen dazu, was im Konfliktfall passiert. Spielen sie daher vorab mögliche Problemfälle und Lösungen durch
Ganz wichtig: Erstellen Sie gemeinsam das Unternehmenskonzept, um sicher zu gehen, dass sie sich sowohl über das Unternehmensziel als auch über den Weg zur Erreichung des Ziels einig sind.
Unabhängig von der Rechtsform sollten sie alle Vereinbarungen schriftlich festlegen.
- Bereiche und Aufgaben
- Abstimmungsverfahren bei gesamtunternehmerischen Entscheidungen
- Vertretung des Unternehmens nach außen
- Höhe der Gesellschaftereinlagen
- Maximale Höhe der monatlichen Privatentnahmen beziehungsweise Gehälter
- Verhalten bei "leerer Kasse"
- Lösungen für mögliche Konfliktfälle (zum Beispiel Entscheidungsverfahren bei Investitionen, Nutzung des Firmenwagens, Einstellung von Mitarbeitern)
- Verhalten bei Kündigung eines Gesellschafters
- Verhalten bei Auflösung oder Verkauf des Unternehmens
Innovative Gründungen
Viele innovative Gründungen haben Zukunft, wenn sie am Markt orientiert sind: beispielsweise mit neuartigen Produkten oder Dienstleistungen im Bereich der Biotechnologie, der Mikroelektronik, der Umwelt- oder Informationstechnik oder der Telekommunikation.
Schutzrechte
Entscheidend für innovative Gründungen ist oft, dass sie sich ihr Produkt, ihre Dienstleistung oder ein bestimmtes Verfahren schützen lassen. Ein Schutzrecht bietet ihnen die alleinige Verfügungsgewalt, zum Beispiel über ein Produkt für einen festgelegten Zeitraum. Schutzrechte wie zum Beispiel Patente, Gebrauchsmuster, Marken und Geschmacksmuster werden beim Deutschen Patent- und Markenamt angemeldet. Wollen sie ihr Produkt zum Beispiel in ganz Europa oder in bestimmten Ländern schützen lassen, müssen sie das Schutzrecht über das europäische Patentamt oder bei ausländischen Patentämtern anmelden.
Kosten und Förderung
Durch Anmelde- und Jahresgebühren beim Patentamt und durch das Honorar für einen Patentanwalt fallen Kosten an. Hinzu kommen der zeitliche Aufwand und eine Reihe bürokratischer Spielregeln. Deshalb: Wägen Sie Aufwand und Nutzen gegeneinander ab und lassen Sie sich dabei kompetent beraten. Technologieorientierte Gründungen werden allerdings besonders unterstützt durch finanzielle Förderhilfen des Bundes, der Länder und der EU für Forschung, Entwicklung, Innovation und Markterschließung:
- ERP- Startfonds/ High-Tech-Gründerfonds
- EIF/ERP-Dachfonds/ERP-Innovationsprogramm
- SIGNO Deutschland
- EXIST- Gründerstipendium/EXIST- Forschungstransfer
- Beteiligungs Programme
Kauf durch eigenes oder fremdes Management
Bei einem Management-Buy-Out (MBO) wird das Unternehmen durch das eigene Management, in der Regel durch leitende Angestellte oder die Geschäftsführung,übernommen. Unter Management-Buy-In (MBI) wird dagegen die Übernahme eines Unternehmens durch Manager von außen verstanden. Die Kombination von MBO und MBI ist eine gemeinsame Übernahme von internen und externen Managern.
Beteiligung an einem Betrieb
Für die Beteiligung an einem Betrieb gelten die gleichen Empfehlungen wie für die Unternehmensnachfolge. Vom Preis für die Beteiligung, von den Zukunftsaussichten des Betriebes und von den konkreten Regelungen des Gesellschaftvertrages hängt es ab, ob der Einstieg in das Unternehmen sinnvoll ist oder nicht.
Outscouring und Spin-off-Gründung
Beim Outscouring werden bestimmte Unternehmensabteilungen in die Selbstständigkeit "entlassen". Aus der Marketingabteilung kann zum Beispiel eine Selbständige Werbeagentur werden, aus der Personalabteilung eine Personalberatung. Die betreffende Abteilung kann von einem externen Gründer und auch einem externen Unternehmen übernommen werden. Der externe Einzelgründer sollte sich daher wie auf eine Unternehmensnachfolge vorbereiten.
Die Spin-off-Gründung ist eine Variante des Outscouring. Charakteristisch ist allerdings die enge Partnerschaft zwischen dem Mutterunternehmen (Inkubator) und dem neu gegründeten Unternehmen. Darüber hinaus spielen sich Spin-offs in der Regel im Bereich Forschung und Entwicklung ab. Der Inkubator stellt in der Regel fachliches Know-how, unternehmerische Erfahrung, Kontakt zu Kunden und Lieferanten, Netzwerke, eventuell Betriebsräume zur Verfügung.
Bevor interne Führungskräfte einem Spin-off zustimmen, sollten jedoch folgende Fragen geklärt werden:
- Kann das Unternehmen auf bestehende Kundenkontakte des Inkubators zugreifen?
- Kann das Spin-off Unternehmen auch Geschäftsbeziehungen zu Konkurrenten des Inkubators aufnehmen?
- Welche Einflussmöglichkeiten hat das Inkubator-Unternehmen auf die Geschäftspolitik?
- Über welchen Zeitraum hält das Inkubator Unternehmen Anteile am Spin-off-Unternehmen?
- Ist das Inkubator Unternehmen bereit, während der Gründungsphase für die Liquidität des Spin-offs-Unternehmens zu sorgen?
- Inwieweit ist die Geschäftsführung dem Inkubator gegenüber rechenschaftspflichtig?
- Sind bestimmte Produkte von der Entwicklung und vom Vertrieb ausgeschlossen?
Es grüßt
T.
Montag, 26. April 2010
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